Quelle: Flickr / Tilemahos Efthimiadis · 5. Dezember 2018

Nicht fertig
werden mit 1968

Zu seinem fünfzigsten Jubiläum ist 1968 ein so prominenter wie negativer Bezugspunkt politischer Debatten geworden. Höchste Zeit für eine linke Wiederaneignung.

Es war bei einem der vielen eilig einberufenen Treffen im Herbst 2010 an einem Londoner University College. Wir bereiteten eine Aktion gegen die drastische Erhöhung der Studiengebühren vor. Sie war von der konservativ-liberalen Regierungskoalition um Premierminister David Cameron im Zuge eines umfassenden Privatisierungsprogramms angekündigt worden. Dabei griff jemand einen Slogan auf, der sich in jener Zeit an den Hauswänden südeuropäischer Großstädte auszubreiten begann, die langsam aber sicher die Folgen der deutscheuropäischen Austeritätspolitik zu spüren bekamen: Fuck May 68, Fight Now.

Das gefiel mir gut. An den feuilletonistischen Bezügen auf die berühmtberüchtigte linke Protestvergangenheit nervten uns vor allem ihre Implikation: Die heutige Jugend sei unpolitisch. Die so daherredenden Gegenwartsdiagnostiker, oft ehemalige 1968er, schoben uns, so nahmen wir es wahr, die Verantwortung für die aktuelle Misere zu. Dabei hatten wir doch gerade ihr Versagen, die Welt zu verbessern, auszubaden. Am 9. November demonstrierten 50.000 Schülerinnen und Studentinnen durch Central London. Das Hauptquartier der Tories wurde gestürmt. In Athen und Madrid kam es zu den großen Platzbesetzungen. Es herrschte eine verhaltene Aufbruchsstimmung.

Im Rückblick scheint mir dieser Moment im Jahr 2010 interessant, weil er einen Umbruch markiert. Noch zwei Jahre zuvor, beim letzten runden Geburtstag von 1968 im Jahr 2008, erfreute sich die Figur einer „List der Vernunft“ größer Beliebtheit. Mit dieser Figur wurde 1968 ein Platz in einer Erfolgsgeschichte zugewiesen. Obwohl ihre Ziele (Revolution, Kommunismus) andere gewesen seien, habe die antiautoritäre Revolte eine fundamentale Liberalisierung und Globalisierung befördert. Demnach wäre sie, trotz ihrer Exzesse, zu einem Modernisierungsmotor des Kapitalismus geworden. Ihre Akteurinnen galten fortan als Avantgarde einer neuen Arbeits- und Lebensweise: Kreativ, flexibel, selbstbestimmt. Für eine linke Kritik am Kapitalismus schien hier nichts mehr zu holen.

Mit der globalen Finanz- und Staatsschuldenkrise 2008ff ist aber die Gesellschaftsformation, der die mit 1968 verbundene neuen Arbeits- und Lebensweise so gut zu entsprechen schien — der Neoliberalismus — zunehmend unter Druck geraten. Heute ist von einem linken Aufbruch dagegen nur noch wenig zu spüren. Zum fünfzigsten Jahrestag sind ganz andere Erzählungen en vogue: Von rechts wird 1968 mit der Entwertung der vermeintlich naturgegebenen Ordnung von Männlichkeit, Familie, Nation und Volk identifiziert. Genau diese Entwertung wird nun zur Ursache der politischen Krise erklärt. Passend, dass Alexander Dobrindt, Landesgruppenchef der CSU, in einem Gastbeitrag für die Die Welt zu Beginn des Jahres eine „bürgerlich-konservative Wende“ ausrief. Sie soll die „linke Meinungsvorherrschaft“ brechen. Und diese Meinungsvorherrschaft beginnt nach Dobrindt, wen wundert’s, vor „genau 50 Jahren, im Jahr 1968“.

»In einer Antifa-Republik leben wir nicht«

Bestimmt lässt sich für die letzten fünfzig Jahre eine kulturelle Liberalisierung feststellen, die auch in den Auseinandersetzungen und sozialen Konflikte um und im Anschluss an 1968 einen Ausdruck gefunden hat. In einer Antifa-Republik leben wir nicht. Aus konservativer Sicht wird die gesellschaftsverändernde Wirkung von 1968 daher überhöht, um dann als Partisanen der Bürgerlichkeit ins Feld der aktuellen politischen Auseinandersetzungen ziehen zu können.

Eine andere Art mit 1968 umzugehen, man könnte sie vielleicht liberal-aufgeklärt nennen, besteht darin, aus der Feldherrenwarte dessen Rolle für gesellschaftlicher Emanzipation schlicht zu bestreiten und den Moment von 1968 stattdessen in Entwicklungsprozesse längerer Dauer aufzulösen. Beiden Arten gemeinsam ist die Absicht nun, fünfzig Jahre später, endlich mit 1968 fertig zu werden.

Sie ineinander zu verschränken ist bereits im Januar diesen Jahres Jürgen Kaube, Leiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gelungen. Wurde in der Vergangenheit häufig die internationale Dimension von 1968 betont, wird es hier primär als Moment der jeweiligen Nationalgeschichte verstanden. Die Arbeiterinnen der BRD hätten sich für die Studierenden, die doch für sie zu sprechen behaupteten, überhaupt nicht interessiert.

Die Einnahme einer Position außerhalb der Gesellschaft, von der aus die Studierenden sie in Gänze abgelehnt hätten, sei diesen aber ohnehin nur deshalb möglich gewesen, weil sie in einer Übergangszeit zwischen dem Kinder- und Erwachsenenleben, also einer Situation von Verantwortungslosigkeit, gesteckt hätten. Ihre Radikalität erklärt sich aus der Sicherheit, nach dem Studium zur Funktionselite der noch im Aufschwung begriffenen Bundesrepublik zu gehören. Es handelt sich also eigentlich gar nicht um Radikalität, sondern um Übermut. Der habe sich, so Kaube, „nach mancher biographischen Konversion in Mitarbeit transformiert“, wo er nicht in den Terrorismus abgeglitten sei.

Auch die Konfrontation mit der Nazivergangenheit, die bei Kaube nicht vorkommt, ist im Rahmen eines solchen Narrativs vor allem persönlich und (individual-)psychologisch, etwa als Konflikt mit der Elterngeneration, motiviert. Prominent argumentiert so ähnlich der Sozialwissenschaftler Heinz Bude in seinem neuen Buch Adorno für Ruinenkinder. Weil sein Blick milder ist, als der von Kaube, infantilisiert der die Akteurinnen der Revolte noch deutlicher. Ihre Aktionen sind ihm nicht einmal mehr die Empörung wert.

Schaffen wir zwei, drei, viele 68

 In ihrer Zuspitzung funktioniert diese Erzählung nur deshalb, weil sie 1968 vereindeutigt. Was nicht ins Bild passt, taucht nicht auf oder wird sofort wieder fallen gelassen. Das war ein erster Irritationsmoment für mich: Das Streikgeschehen in Frankreich, das Kaube in seinem einleitenden Absatz anführt, greift er nicht erneut auf. Dabei brachte das Zusammenspiel von Studierenden und Arbeiterschaft im Mai 1968 das politische System Frankreichs an den Rand des Zusammenbruchs.

Frantz Fanons Darstellung der politischen und psychologischen Konsequenzen der Kolonialisierung in Die Verdammten dieser Erde erschien 1961 in Paris beim linksradikalen Verlag Maspero und war bereits 1972 ins Englische, Spanische, Deutsche, Portugiesische, Slowenische, Kroatische, Griechische und in Urdu übersetzt. Auf dem Internationalen Vietnamkongress, der am 17. und 18. Februar 1968 im Auditorium der Technischen Universität Berlin stattfand, diskutierten der französische Trotzkist Daniel Bensaïd, Bernadine Dohrn von den US-amerikanischen Students for a Democratic Society, Tariq Ali aus Großbritannien und der italienische Verleger Giangicomo Feltrinelli mit ihren westdeutschen Genossinnen vom Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Der damalige SDS-Vorsitzenden KD Wolff erinnert, dass über vierzig Delegationen aus der ganzen Welt teilnahmen.

Mit der Bildungsexpansion der Sechzigerjahre veränderte sich außerdem die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft einerseits, die Rolle der Universität für Kultur und Wirtschaft andererseits. Zudem enstand eine selbstorganisierte Lehrlingsbewegung in Westdeutschland. 1969 legten 140.000 Arbeiterinnen bei den sogenannten Septemberstreiks ganze Schlüsselindustrien lahm – ohne offizielle Unterstützung der Gewerkschaften. Das Ergebnis waren Lohnerhöhungen für über acht Millionen Beschäftigte. 1971/72 entstanden in Backnang, Neumünster und Hannover die ersten selbstorganisierten Jugendzentren. Hier wie in zahlreichen Hausbesetzungen übte man sich in der Gestaltung des eigenen Alltags und nahm sich die dafür nötigen Räume.

Eine Rede Helke Sanders bei der 23. Delegiertenkonferenz des SDS im September 1968, deren Nicht-Beachtung der berühmte Tomatenwurf auf den SDS-Cheftheoretiker Hans-Jürgen Krahl nach sich zog, wurde zu einem Auftakt für die Zweiten Frauenbewegung in Westdeutschland. „Weiberräte“ entstanden in vielen Städten. Migrantische Arbeiterinnen verschafften sich in wilden Streiks Gehör. Das machten erst jene Ausbeutungsmechanismen sichtbar, die den Wohlstand der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaften ermöglicht hatten; die überwiegend von Frauen verrichtete und unbezahlte Sorgearbeit und die (post-)koloniale Plünderung von Ressourcen und Arbeitskräften des globalen Südens.

Im Combahee River Collective in Boston organisierten sich ab 1974 dann schwarze lesbische Feministinnen, weil ihre Position sowohl innerhalb der Zweiten Frauenbewegung als auch des Black Liberation Movements marginalisiert worden war. Daraus entwickelten sie eine Politik, die die Selbstbefreiung ins Zentrum stellt, ohne damit eine Absage an die Zusammenarbeit mit anderen zu erteilen.

Bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte ging es auch um Kontinuitäten des deutschen Faschismus in der bundesrepublikanischen Gegenwart: Am 23. Januar 1968 standen neun Angeklagte für ihre Beteiligung an Protesten gegen die Aufführung des Films Africa Addio, den sie als rassistisch kritisiert hatten, vor dem Landgericht Moabit. „Als Richter Gente am 23. Januar zur Urteilsverkündung anhob, explodierten Knallkörper und aus dem Publikum wurden kleine gelbe Flugzettel in den Saal geworfen.“ Sie informierten über die Nazivergangenheit Gentes. Studierende sammelten jene Publikationen zusammen, die ihre Professoren in der Nazizeit veröffentlicht und danach schleunigst unter den Tisch gekehrt hatten.

»Die Gesellschaft explodierte von Innen«

In Briefwechseln, Notizen, Dokumenten und Rezensionen der Zeit kommt außerdem ein Hunger nach allem Gegenwärtigen zum Ausdruck: Kung-Fu-Filme und Rock’N‘ Roll gehörten genauso dazu, wie die Texte der Filmkritik und die Underground-Gedichten in der Anthologie Acid, Das wilde Denken Claude Lévi-Strauss oder die Gerichtsglossen Uwe Nettelbecks in der Zeit. Im SCUM-Manifesto Valerie Solanas konnte man von der vollständigen Automatisierung der Gesellschaft und der Vernichtung der Männer lesen, in Frauenbefreiung und sexuelle Revolution versuchte Shulamith Firestone den Zusammenhang von technologischer Entwicklung, Reproduktion, Geschlecht und Befreiung theoretisch zu entwickeln.

Die Situationisten, Ernest Mandel und Herbert Marcuse analysierten parallel zu den Entwicklungen von Pop und Kulturindustrie die zentrale Rolle des Konsums und der Freizeit für die Herrschaftsstruktur des entwickelten Kapitalismus. Manchmal wurden sie dabei selber zu Pop. Johannes Agnoli, Louis Althusser und Nicos Poulantzas beschrieben die Funktionsweise des bürgerlichen Staats angesichts dieser Transformationen des Kapitalismus.

Natürlich schrieben, anders als ein weitverbreitetes Gerücht es will, auch die 1968er im engeren Sinne selbst: Über die Strukturprobleme des kapitalistischen Staats und wie man Lenin vom Kopf auf die Füße stellt; über einen Mittag im Dorf und die Liebe zwischen den Klassen; über die Halbierung der Erfahrung und deren Erschütterung und Erweiterung durch Kino und Illustrierte.

Die Augen reibt sich zuletzt darüber, wie vielfältig sich 1968 dem darstellt, der die ausgetretenen Pfade großer Erzählungen verlässt. Zahlreiche Blogeinträge, Reportragen und Marginalien, autobiographische Berichte und aufbereitete Archivalien zu den unterschiedlichsten Aspekten finden sich, hält man nach ihnen Ausschau. In Kooperation mit der französischen Tageszeitung Liberation, selbst Produkt der Revolte, hat die taz dem französischen Mai 1968 eine Ausgabe gewidmet und dabei etwa jenen Mythos wiederlegt, es habe sich alleine um ein urbanes, gar außschließlich Pariser Phänomen gehandelt: Bauern und Landarbeiter werden hier zu seinen Protagonisten. Das Missy Magazine hat in ihrer Ausgabe 02/2018 in einem Dossier unter dem Titel „Decolonize 1968!“ unterschiedlichen Facetten von 1968 als Geschichte von People of Colour auch in der Bundesrepublik und der DDR aufgezeigt.

Das löst 1968 in eine Vielzahl von unterschiedliche Momente und diese wiederum schließlich in deren Vor- und Nachgeschichten auf. So hat der Historiker Axel Schildt für die Bundesrepublik wiederholt gezeigt, dass bereits die späten Fünfziger- und frühen Sechzigerjahre eine Zeit kultureller und sozialer Experimente waren. Die meistverkaufte Single des bundesdeutschen 1968 war allerdings Heintjes Mama. Albrecht von Lucke betont die Dynamik zwischen dem Aufschwung und schließlich der Regierungsübernahme der  SPD in der liberal-sozialdemokratischen Koalition unter Willy Brandt 1969 und der außerparlamentarischen Opposition. Der Publizist Gerd Koenen schlägt vor, statt von 1968 von einem „roten Jahrzehnt“ zwischen 1967 und 1977 zu sprechen, weil erst in diesem Zeitraum die Verbreitung der Ideen und Ansätze der Achtundsechziger erfolgte, die zuvor nur von einer kleinen Personengruppe getragen worden sei.

Reicht es, frage ich mich, um dieser Auflösung in viele Geschichten entgegenzuwirken und die Spezifik von 1968 zu verstehen, schlicht von „diese heterogene Vielheit, die der Mai 1968 gewesen ist“ (Alain Badiou) zu sprechen, also in der Vielfältigkeit des Gemeinsame zu sehen? Oder verbindet dieses Viele noch etwas anderes, was vielleicht auch den Hass auf 1968 von Rechts nachvollziehbar werden lässt?

Geschichte machen

 Im Herbst 1966 begann das deutsche Wirtschaftswunder zu stocken: Die noch junge Bundesrepublik erlebte die erste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte. Kurz nach 1968 wurde dieser kurze Einbruch als Anfang des Endes der westlichen Nachkriegsordnung erkennbar. 1973 kam es zum Ölschock und der Aufkündigung des Währungsabkommens von Bretton Woods. Sieht man 1968 im Zusammenhang mit dieser Krise und versteht Krise hier im Wortsinn als Wendepunkt, erlaubt das 1968 anders zu verstehen und zu bestimmen. 1968 ist dann ein Zeitpunkt, an dem auf einmal vieles möglich war. Die Gesellschaft explodierte von Innen.

War 1968 auch so ein Moment, dann zeigt sich allerdings, dass genau das, was Kaube als Spleen junger Erwachsener auf dem Weg in gesellschaftliche Führungsposition abfertigt, die besondere Qualität von 1968 darstellt: Gerade weil der Alltag der Studierenden unmittelbar nichts mit dem Krieg in Vietnam zu tun hatte, war ihre Solidarität Ausdruck eines Begreifens der realen politischen und ökonomischen Verschränkungen der Nachkriegsordnung. Und weil die Studierenden (noch) keine Arbeiterinnen waren, zeugte ihr Antikapitalismus von der Einsicht in den Kapitalismus als eine Gesellschaftsform, die alle sozialen Beziehungen bestimmt.

Dropouts und Beatniks wandten sich gegen die körperliche und mentale Zurichtung einer Gesellschaft, in der, wie Mario Neumann im Neuen Deutschland beschrieben hat, sich der Arbeitsethos als „die Rückseite der Anerkennung der Arbeiterinnen-Bewegung“ erwies. Die Auseinandersetzungen der jungen süditalienischen Arbeiter in den Fiat-Fabriken des Nordens war ein Kampf gegen die Lohnarbeit selbst.

Den Faschismus versuchte man in seiner Entstehung zu verstehen. Man fragte danach, warum so viele sich freiwillig an seinem Vernichtungsprogramm beteiligt hatten. Gegen die faschistische Volksgemeinschaft wurde die Idee der Selbstorganisation, wie man ihn im Räte-Gedanken der 1920er Jahre formuliert sah, in Anschlag gebracht.

Überhaupt ist die mit großem Eifer betriebene Wiederentdeckung der Schriften Sigmund Freuds, Ferdinand de Saussures, Rosa Luxemburgs, Georg Lukács, Karl Korschs, Wilhelm Reichs, Ludwig Wittgensteins und Walter Benjamins etwas später dann Alexandra Kollontais, Emma Goldmans, Erich Mühsams und vieler anderer nicht allein als Besuch im Kostümverleih einer längst vergangenen Epoche zu verstehen. Oder anders: Handelt es sich um eine Kostümprobe, dann, um in diesen dem Geltung zu schaffen, für das noch keine eigenen Begriffe zur Verfügung standen.

Denn das Eintauchen in die marxistischen, anarchistischen, auch psychoanalytischen und gesellschaftswissenschaftlichen Debatten der Zwanzigerjahre war von dem Wunsch getragen, der Emanzipation andere Wege zu weisen als ihre äußere Vernichtung durch den Faschismus oder ihre innere Niederlage im stalinistischen Terror, als der Einhegung in Marktwirtschaft einerseits und Staatssozialismus andererseits. Die Studierenden mussten dafür zunächst einen hartnäckigen Antikommunismus durchbrechen, der die Adenauer-Ära als Leitideologie beherrschte. Er ließ die Zeit vor dem Ende des Kriegs geradezu verschwinden.

»Die Alternativbewegung entkoppelt sich schließlich zunehmend von der Gesellschaft«

Die Kämpfe um Teilhabe und Anerkennungen durch Migrantinnen, Inhaftierte, Heimkinder, Psychatrisierte, Homosexuelle (was man im zeitgenössischen Jargon „Randgruppen“ nannte) sind in letzter Konsequenz eine Frage nach dem Wesen von Gemeinschaft. Als ein Fluchtpunkt der Frauenbewegung zeigt sich nicht allein Gleichstellung, sondern die Mechanismen der Vergeschlechtlichung und die Rolle der Reproduktion.

Mit Stadtteil- und Betriebsgruppen, Zeitungsprojekten und Kollektivverlagen suchte man nicht nur die Orte des Sozialen jenseits von Familie, Vereinen, Gewerkschaften und Parteien aufzuspüren, sondern sie innerhalb der sich rasend schnell verändernden Gesellschaft neu zu erschaffen. Als Außerparlamentarische Opposition, mit Aktionsformen wie dem Happening und dem Sit-In, der demonstrativen Gewalt und Besetzungen verwandelten sie das Verständnis von Politik, ja was es heißt die Macht zu erringen (vielleicht eben darauf zu verzichten).

Dadurch, dass die Achtundsechziger sich selbst und die Art zu studieren, zu wohnen, zu lieben, ja überhaupt das gesamte Leben zum Experiment zu machen – in freier Liebe, in Kommunen, auf LSD, in Consciousness-Raising –, trugen sie dem Umstand Rechnung, dass die Menschen geschichtliche Wesen sind, die zugleich ihre Geschichte selbst machen und deshalb auch anders machen können und zwar gemeinsam.

Vieles, was ich lange Zeit für Hippiescheiß hielt, entpuppt sich so als „Acid Kommunismus“. Mit dieser Formel versuchte der englische Theoretiker Mark Fisher die „Counter Cultures“ der 1960er und 1970er Jahre als Experimente mit freiheitlicheren Lebensformen zu begreifen. Kultur und Politik, Zwischenmenschliches und das Selbst, schließlich Geschichte und Sprache wurden zum Gegenstand der Aushandlung. Es ist auf dieser Ebene, auf der das Gemeinsame der so verschiedenen Momente von 1968 zu finden ist: Die Historikerin Kirsten Ross schlägt vor, die Verweigerung der Studierenden als Studierende zu sprechen, selbst als eine Form des Streiks zu verstehen. Die Verweigerung sich representieren zu lassen, sogar noch in der Zurückweisung der Selbstrepräsentation, verbindet sie mit dem Generalstreik der Arbeiterinnen, der Flucht der Heimkinder, den Trips nach Istanbul, Indien oder auf Droge.

In der Konsequenz wandelte sich auch das Verhältnis zur Welt. Langsam aber sicher wurde ihre unumkehrbare materielle Veränderung durch menschliches Einwirken unabweisbar: Heute ist die katastrophale Konsequenz eines auf Kohle-und-Öl basierten Kapitalismus, der Klimawandel, zur zentralen Herausforderung unserer Zeit geworden. In der Ökologiebewegung fand dieser Wandel einen ersten Ausdruck, bei dem zunehmend auch die Grenzen der Machbarkeit von Geschichte in den Blick gerieten.

Hit zu Weihnachten in der Bundesrepublik: Heintje

Skandal und Scheitern

Die anhaltenden Versuche, 1968 ad acta zu legen, sei es als rechte Verteufelung oder liberal-abgeklärtes Lächerlichmachen (aber auch als linke Nostalgie oder trotzige Abwehr a la Fuck May 68), bezeugen vor allem eines: Offensichtlich ist genau das auch fünfzig Jahre später noch ein Skandal. Kaube gibt so viel zu, wenn er aufzählt,  wie „[k]eine Institution, […] nicht mit Vorwürfen oder Kritik überzogen wurde – von der Familie über Schule und Universität, das Rechtssystem und die Wirtschaft bis zu den Parteien“ – als wären nicht Familie, Schule, Universität, Rechtssystem, Wirtschaft und Parteien als gesellschaftliche Institutionen immer dem Wandel unterworfen gewesen.

In den restaurativen Fünfzigerjahren waren ihre Insassen zumindest der ersten beiden genannten vielfach noch der Prügelstrafe ausgesetzt. Der Rückzug auf von Tradition gestiftete Autorität ist bei Kaube deshalb besonders amüsant, weil er sonst gerne anderen ihre Denkfaulheit vorwirft. Die Welt in ihrer Komplexität auch als menschengemachte und deswegen zumindest im Grundsatz von Menschen gemeinschaftlich gestaltbare zu begreifen, ist dagegen der politische Anspruch von 1968.

Deswegen, und nicht allein aus Zerstörungswut und Leichtsinn machte ihre Kritik vor keiner überkommenen Autorität und keiner Tradition halt. Den Anstrengungen, die eine solche allumfassende Kritik bedeutet, versucht sich die Rechte in ihrem Rückzug genau auf diese traditionellen Autoritäten zu entziehen. Und eine bürgerliche Mitte, die sich dergestalt doppelt unter Druck sieht, nimmt den Ball auf und wendet ihn gegen Links und Rechts. Auf diese Weise hofft sie die Offenheit von erhöhter Warte wegzuschreiben und so den Status quo zu erhalten, der für sie besonders bequem ist.

Nun ist die Revolution 1968 ohnehin ausgeblieben: Noch immer herrscht der unpersönliche Zwang des Kapitalismus zur Akkumulation von Kapital. Dass die Revolution ausgeblieben ist, ist vielleicht ein Argument gegen die 1968 gewählten Strategien und Taktiken. Sie ist aber kein Argument gegen den durch 1968 ausgedrückten Anspruch. Er muss dann aber, denke ich, auch in seinen realen Umsetzungen nachvollzogen und an ihnen geprüft werden: Die Einsicht in die Gestaltbarkeit der Verhältnisse kann als Allmachtsphantasie in Gewalt gegen andere und gegen sich selbst umschlagen. Das gilt besonders dort, wo ihr doch noch reichlich enge Grenzen gesetzt waren. Die Orientierung am Kampf des Vietcong gegen die USA in Vietnam und an antikoloniale Befreiungskämpfe war eben auch ein Ausdruck der organisatorischen Schwäche der Bewegung in der Bundesrepublik. Der Bruch mit dem Sowjetsozialismus, den das chinesische Vorbild von Maos Kulturrevolution vielen ermöglicht hatte, machte sie oft blind für die Verbrechen, die dort begangen wurden, wo er sie nicht sogar rechtfertigte.

»Dieser Modus der Selbstkritik ist mit das beste, was die Linke heute hat«

Lebens- und Liebesexperimente zeigten sich als Elemente eines sich gesellschaftlich durchsetzenden Individualismus. Darin lebte ein Machismus fort, der von der herrschenden patriarchalen Ordnung profitiert, die er anzugreifen vorgab; der unbedingte Antiautoritarismus erzeugte eigene Rigorismen. Die Angriffe auf die Ordinarienuniversitäten gingen teilweise mit krasser Ignoranz gegenüber jenen jüdischen und/oder linken Professoren einher, die im Faschismus der Verfolgung ausgesetzt worden waren.

Die Alternativbewegung entkoppelt sich schließlich zunehmend von der Gesellschaft. Sie wurde zum selbstgenügsamen Kleinklein, bevor Stadtmarketing und Start-Up-Kultur sie zu absorbieren begannen. Viele blieben auf den Drogen hängen, als die Weltveränderung ausblieb, oder sie rutschten in Depression und Paranoia ab. Die in den Flügelkämpfen der K-Gruppen oder Straßenschlachten mit der Polizei erworbenen „Soft Skills“ mögen dagegen dem einen oder der anderen geholfen haben, sich letztlich doch in dem System, das sie hatten überwinden wollen, einzurichten. Andere wählten die militärische Konfrontation mit dem Staat, in der sie und die politische Auseinandersetzung mit ihnen letztlich untergingen.

Zu leicht macht man es sich, tut man das alles als Irrwege ab. Man legt dann nahe, es gäbe ein gutes, wahres, schönes 1968, das sich säuberlich von diesen abtrennen ließe. Damit hilft man, ob willentlich oder nicht, der Entsorgung dessen, was von 1968 für uns heute hilfreich sein könnte. Als Versuche auf die Herausforderung einer sich plötzlich als gestaltbar zeigenden Geschichte zu reagieren wie als Versuche eines Umgangs mit den sich genau darin und dabei zeigenden Schwierigkeiten, sind sie Teil von 1968. Als Versuch und als Scheitern gehört dieses 1968 zur linken Geschichte. Es gibt keinen reines, sauberes 1968. Es zeigt mit den Möglichkeiten auch Grenzen, Gefahren und Widersprüche linker Politik, verstanden als gemeinschaftliche Einrichtung der Welt.

Keine Angst vor 68

Dass Konservative einen linken Aufbruch, wie 1968 – wie kurz und widersprüchlich auch immer – es war, mit Argwohn beäugen, geschenkt. Die Angst vor der Herausforderung, die 1968 für Politik nach 1968 bedeutet, ist aber kein rechtes Privileg. Auch bei Linken findet sie prominent Ausdruck in der Sehnsucht nach einer vergangenen Glanzzeit der Sozialdemokratie und des Sozialstaats. 1968 wird hier ebenfalls zum Umschlagpunkt der Erzählung: Mit einer dabei erfolgten Orientierung an Minderheitenanliegen und dem Feld der Kultur habe linke Politik ihre soziale Basis in der Arbeiterinnenschaft verloren.

Nun wäre an einem Angriff auf die Reichtumsverteilung und ihr Prinzip (Eigentum) wenig auszusetzen. Warum dieser Angriff aber gegen andere Bestandteile linker Politik ausgespielt werden muss, wie es der LINKEPolitiker Oskar Lafontaine getan hat, als er behauptete, die Antwort aller Parteien auf die „weltweite Flüchtlingsproblematik“ setze das „Prinzip sozialer Gerechtigkeit“ außer Kraft, erschließt sich nicht. Lafontaine stellte dafür ein „urbanes“ kosmopolitisch orientiertes linkes Milieu gegen die Arbeitslose und Arbeiterinnschaft, deren Interessen es zu Gunsten von Frauen, Migrantinnen und Fragen der sexuellen Orientierung vernachlässigt habe. Diese wenden sich, so die „Analyse“, genau deshalb u.a. der AfD zu.

Dabei hatte doch 1968 gezeigt, dass Klassenlage, Rassismus und Sexismus, globale und lokale Verhältnisse, Kultur und Ökonomie, Sorge und Arbeit zusammen gehören, ja die Gegenüberstellung falsch ist, weil deren Trennung selbst ein Prinzip und Mechanismus kapitalistischer Herrschaft ist. Angesichts der Möglichkeit Geschichte zu gestalten, zeigt sich 1968ff so vielmehr als Modus aufeinanderfolgender und anhaltender Wortergreifungen: Durch anti- und postkoloniale Bewegungen, durch People-of-Color, durch die Frauen- und Homosexuellenbewegung, durch die Lehrlingsbewegung und migrantische Arbeiterinnen, durch Verrückte, Kinder, Queers.

Spätestens 1977 war angesichts von Thatcher und Reagan Schluss mit dem Hippie-Spass: im No Future (bzw. dem korrespondierenden Too Much Future der Ostpunks) wurde der Zusammenhang von Geschichte und Fortschritt selbst einem Test unterzogen worden, dem er nicht mehr so recht vermochte standzuhalten. Die poststrukturalistischen Philosophien beschrieben des Ende der fordistischen Gesellschaftsorganisation und ihren krisenhaften und umkämpften Übergang in den Postfordismus. Sie kritisierten dafür auch Hegel, Marx und Freud. Dieser Modus der Selbstkritik ist mit das beste, was die Linke heute hat — besonders dort wo sie zugleich den Aufbruch von 1968 als einen Gescheiterten und Unerledigten, und damit als Anspruch, im Blick behält.

Das hat die Begriffe von Klasse, Kultur, Gesellschaft, Produktion, Reproduktion, Kapital und Arbeit verändert. Notwendig wird das Gegeneinander argumentativ daher erst, wenn zugleich das aus den Kämpfen um 1968 erwachsene Wissen unter den Tisch gekehrt werden soll, dass schon der fordistische Sozialstaat einigen wenigen relative Sicherheit und Wohlstand nur deshalb ermöglicht hatte, weil er selbst auf brutalen Ausschlüssen nach Außen, Disziplinierung nach Innen (und, nicht zuletzt, der Angst vor dem real existierenden Sozialismus, so wenig der ein Vorbild emanzipatorischer Politik sein kann) basierte.

»In dieser Perspektive wird der Neoliberalismus als Klassenkampf von Oben beschreibbar, dessen wichtigstes Ziel in der Schwächung der Arbeiterinnenbewegung bestand«

Den Grund für die derzeitige Schwäche linker Bewegungen vor allem bei einer Allianz zwischen den Ideen von 1968 und einem „neuen Geist des Kapitalismus“ (Luc Boltanski/Ève Chiappello) zu suchen, sie also zu Wegbereiterinnen des Neoliberalismus zu machen, unterschlägt aber außerdem, dass auf den Aufbruch von Beginn an mit eine Konterrevolution reagiert wurde, die oft genug bereit war bis zum Äußersten zu gehen.

Bereits am 17. Oktober 1961 tötete die französische Polizei bei einer unangemeldeten Demonstration mehrerer zehntausend in Paris lebender Algerier zur Unterstützung der algerischen Unabhängigkeit mindestens 200 Menschen und warf sie daraufhin in die Seine. Am 2. Juni 1967 erschoss der Bereitschaftspolizist Kurras den Studenten Benno Ohnesorg in Westberlin. Im August 1968 rückten die Truppen der Warschauer Pakt-Staaten in die Tschechoslowakische Republik ein und schlugen die Experimente des „Prager Frühlings“ nieder. Der französische Autor und Filmemacher Mathieu Riboulet hat für Mittel- und Westeuropa der Siebziger- und Achtzigerjahre von einem unerklärten Krieg gesprochen. In Italien sorgten die Geheimdienste dafür, dass Terrorattentate rechtsextremer Gruppen der Linken zugeordnet wurden. Mit dieser „Strategie der Spannung“ versuchten sie die große Kommunistische Partei Italiens wie den breiten gesellschaftlichen Wunsch nach einer anderen Art zu leben zu diskreditieren. In Chile unterstützte der CIA den Militärputsch gegen den demokratischen gewählten Sozialisten Salvador Allende.

In dieser Perspektive wird der Neoliberalismus als Klassenkampf von Oben beschreibbar, dessen wichtigstes Ziel in der Schwächung der Arbeiterinnenbewegung bestand, und zwar sowohl materiell als auch ideologisch. Zum Arsenal gehörten dabei auch weniger blutige Methoden der Kriegsführung: Rasterfahndung und Radikalenerlass, Hetze und Spaltung, aber eben auch Anerkennung und Einhegung. Ein Teil der Impulse von 1968, die auf individuelle Freiheit zielten, wurden integriert. Zugleich zerstörte man ihre materielle und soziale Grundlage. So konnte mir 2010 1968 mehr als Altlast den als produktiver Teil der eigenen politischen Perspektive erscheinen. Fortschritte waren dem Gegner abgerungen worden, aber es kam zum nahezu vollständigen Zusammenbruch der traditionellen Arbeiterinnenbewegung wie dem Zerfall er neuen sozialen Bewegungen. Vor allem aber verengte sich der Horizont, in dem Veränderung gedacht werden konnte. Kapitalistischer Realismus und sein Mantra der Alternativlosigkeit etablierten sich. Und die Erzählungen über 1968 sind, in ihren unterschiedlichen Gestalten und zu unterschiedlichen Phasen, hierfür oft selbst ein Mittel gewesen.

Heute drohen auch deshalb die Erfolge linker Politik der letzten Jahrzehnte ohne nennenswerte Gegenwehr kassiert zu werden. Ein linkes Self-Blaming spielt dabei vorallem denen in die Hände, die sich damit bequem ihrer Verantwortung für das fortgesetzte Elend, das der Kapitalismus auch im sechsten Jahrzehnt nach 1968 produziert hat, entziehen können. Die Sigmar Gabriels dieser Welt haben die Witterung aufgenommen. Dankbar machen sie einen Selbstverrat der Linken an die Unübersichtlichkeit der Postmoderne für Anschläge auf Geflüchtete und den Wahlerfolg der AfD verantwortlich (die sie Sehnsucht nach Leitkultur nennen). Dass die soziale Entsicherung durch Agenda-Politik und Hartz IV und die resultierende brutale Konkurrenz im neoliberalen Wettbewerbsstaat, für die sie mitverantwortlich sind, damit auch etwas zu tun haben könnte, interessiert dann kaum noch.

Im Kontext der neuerlichen und systemischen Krise genau dieses Politik- und Gesellschaftsmodells findet aber die heutige Diskussion um 1968 ihre Gegenwart, und zwar auf linker und auf rechter Seite. Man kann einwenden, dass anders als damals heute sowohl ein linksliberales Milieu im gesellschaftlichen Aufschwung als auch ein utopischer Horizont fehlen. Dystopisch nimmt sich das Weiter-so, für das Angela Merkel und Macron stehen, genauso aus, wie die Erfolge reaktionärer Kräfte. Vorallem aber haben sich mit Digitalisierung, Finanzialisierung und Klimawandel die Bedingungen aller Politik dramatisch verändert.

Ein strategischer Entwurf?

Das kann auch linke Politik nicht ignorieren, die vermutlich eine skeptischere sein muss. In Sachen Strategie und Taktik, Theorie und Praxis ist 1968, nicht zuletzt wegen 1968, unwiederholbar geworden. Und es stimmt wohl, dass uns heute solche strategischen Entwürfe fehlen. Diese Ratlosigkeit kann ein Rückgang auf die linke Vergangenheit nicht auflösen.

Didier Eribon, auf dessen autobiographische Erkundung der Wählerwanderung der französischen Arbeiterinnen von der Kommunistischen Partei zum rechtsradikalen Front National in Rückkehr nach Reims sich die skizzierten Rufe nach einer linken Rückbesinnung auf Arbeiterinnen und Klasse in Deutschland oft berufen, hat in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom April 2017 dennoch genau dieses 1968 als Ausgangspunkt gegenwärtiger linker Politik bestimmt: „Man muss nur an den Mai 1968 in Frankreich zurückdenken: zehn Millionen streikende Arbeiter, eine starke feministische Bewegung, der Kampf der Einwanderer, die Kritik am Justiz- und Gefängnissystem und so weiter. All diese Dinge zusammen sind die Linke.“

Wenn all diese Dinge zusammen die Linke sind, folgt daraus keine besonders spektakuläre, aber angesichts der anhaltenden Versuche, mit 1968 fertig zu werden, vielleicht auch keine ganz unwichtige Erkenntnis: All diese Dinge zusammen sind eine Linke, die mit 1968 nicht mehr fertig werden muss. Sie kann sich dann wieder der Zukunft zuwenden.

Morten Paul

Morten Paul ist Lektor beim Berliner August Verlag. Er veröffentlicht zu Theorie- und Ideengeschichte der Bundesrepublik Deutschland.